Ein Pfadfinder im Widerstand gegen den Nationalsozialismus.

Am 21. Januar 1943 wurde der Würzburger Pfadfinderleiter Fred Joseph in Auschwitz ermordet. Fred kann uns heute in seinem mutigen Widerstand gegen den Nationalsozialismus Vorbild und Ansporn sein, für unsere Überzeugungen mit Zivilcourage einzutreten.

Fred entstammt einer christlich- jüdischen Mischehe. Seine Eltern sind Würzburger, die nach mehrjährigem Aufenthalt in der Schweiz und in Mannheim 1916 mit ihren Kindern in ihre Heimatstadt zurückkehren. Fred besucht in Würzburg die Volksschule und das Realgymnasium (heute Siebold- Gymnasium), wo er 1930 das Abitur ablegt. Er arbeitet dann als Praktikant und Assistent in der Adler-Apotheke von Max Mandelbaum und nimmt in der Folge das Studium der Pharmazie an der Universität Würzburg auf. Um 1931 tritt er dem Rhönclub bei und redigiert dessen Jugendzeitschrift bis zum Verbot 1933. Er engagiert sich dann in der katholischen Jugendbewegung und tritt Ende 1934 in die Deutsche Pfadfinderschaft St. Georg(DPSG), Bezirk St. Kilian, Würzburg, ein.

Schon 1935 wird er Vorsitzender (Stammesfeldmeister) des Pfadfinderstammes Eiseneck der Dompfarrei, der damals 45-50 Mitglieder zwischen 14 und 18 Jahren zählt. Er führt als Gruppenleiter mit seinen Gruppenkindern Lager, Geländespiele, sportliche Veranstaltungen wie Klettern und Fahrten durch, die ihn nach Finnland und auf Main und Rhein bis Holland führen.

Der religiöse Bereich liegt ihm besonders am Herzen. Die Georgspfadfinder treffen sich in dieser Zeit wöchentlich zur morgendlichen Gemeinschaftsmesse im Kloster Marianhill. Fred pflegt gute Beziehungen zu Geistlichen, die ihm Hirtenbriefe zum Verteilen anvertrauen, was vom Staat verboten ist, und zu anderen Gruppen im Widerstand wie der „Grünen Gruppe“.

Die DPSG gerät in diesen Jahren immer stärker unter Druck. Das Tragen von Kluft und Abzeichen wird verboten; schließlich jede Betätigung als Pfadfinder. Die Gruppenräume des Stammes Eyseneck im Schneidturm werden 1936 verraten und von der Gestapo durchsucht. Fred steht mit anderen Leitern bei einem Verhör vor der Gestapo zu seinen Idealen als Pfadfinder und Katholik. Er erklärt, dass er die ihm unterstellten jungen Leute nicht nach den Richtlinien der Hitlerjugend (HJ), sondern zu katholischen jungen Männern erziehen wolle.

Nach dem Verlust der Räume im Schneidturm finden die Treffen der Pfadfinder nun oft in Freds Wohnung in der Bibrastraße statt. Fred kämpft um jedes Mitglied der DPSG, das den Verband verlassen will. Es gelingt ihm, einige zum Wiedereintritt zu bewegen.

An Allerheiligen 1936 wollen die Würzburger Georgspfadfinder - wie es Tradition ist - einen Kranz mit der Aufschrift „DPSG -Allzeit bereit“ am Kriegerdenkmal niederlegen. Die Aktion soll heimlich um Mitternacht stattfinden. Doch die Pfadfinder werden von HJ’lern erwartet, einige verprügelt und einige zur Polizei geschleppt.

Fred wird wenige Tage später wegen seiner Beteiligung an dieser Aktion verhaftet, sitzt einen Monat in Untersuchungshaft und wird im Juli 1937 zu 5 Monaten und 2 Wochen Gefängnis verurteilt. Er geht gegen das Urteil in Revision und muss wegen einer späteren Amnestie die Strafe nicht antreten. Allerdings verliert er während der Untersuchungshaft seine Anstellung in der Apotheke. Seine Approbation wird ihm aus politischen Gründen verweigert.

1937 zieht er nach Pforzheim, wo er eine Pfadfindergruppe gründet und trotz Verbots Rundbriefe versendet. Trotz massiven Konflikts mit dem dortigen Pfarrer setzt er die Pfadfinderarbeit fort, veranstaltet Lager und Fahrten und hält Kontakt zu anderen Pfadfindern. Eine Fahrt führt ihn beispielsweise nach Würzburg zu einem Pfadfindertreffen.

Im Sommer 1940 wird er bei einer Fahrt in Bayern von der Gendarmerie entdeckt. Den Fahrtteilnehmern kann jedoch nicht nachgewiesen werden, dass sie als Pfadfinder unterwegs waren. Im Juli 1941 wird einer seiner Rundbriefe gefunden und Fred wird denunziert. Ab Ende Oktober 1941 ist er nach Gestapo Ermittlungen in „Schutz-“ und Untersuchungshaft. Im Januar 1942 wird er vom Sondergericht Mannheim zu einem Jahr Gefängnis verurteilt, weil er „einen Zusammenschluss von Jugendlichen mit den Zielen der ... DPSG durch Verbreitung von Rundbriefen, Veranstaltung von Zusammenkünften und Ausflügen, Beschaffung von Geräten und mündliche Beeinflussung der Jugendlichen aufrecht erhalten und gefördert“ habe.

Ende Oktober 1942 kommt er frei. Er besucht zwei Wochen darauf Pfadfinderfreunde in Würzburg. Dort wird er am 13.11.1942 wieder verhaftet und im Dezember 1942 mit einem Sammeltransport deutscher Juden auf Anordnung der Gestapo Karlsruhe nach Auschwitz deportiert. Dort wird er im Januar 1943 ermordet.

“Ich hatte Freude und Interesse an dem Verein

(gemeint ist die DPSG) und habe mich deshalb mit meinen

ganzen Fähigkeiten und mit meiner inneren Überzeugung für die

Sache voll und ganz eingesetzt. Mir machte es sozusagen Spaß,

und später betrachtete ich es als meine Pflicht, auf diese jungen

Burschen erzieherisch einwirken zu können.“

Fred Joseph

Am 18.7. wurde der Platz vor der Jugendherberge und dem Café Cairo in "Fred-Joseph-Platz" umbenannt.
Am 17.7. wurde zum Gedenken an Fred Joseph ein Stolperstein nahe seines Wohnhauses an der Ecke Bibrastraße/Hofstraße gesetzt.
Hier gibt es Informationen zu Fred und Auszüge aus seinem bisher unveröffentlichten Tagebuch.

Tagesbuchauszug 1
Tagesbuchauszug 2
Tagesbuchauszug 3

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